Dein inneres Kind: Wie es Dein Leben prägt und wie Du es heilen kannst

Wieder einmal hast Du Streit mit Deinem Partner gehabt, weil Du eifersüchtig warst. Aus seiner Sicht ist Deine Reaktion total übertrieben gewesen – doch Du kannst diese schmerzhaften Gefühle einfach nicht abschütteln, sobald er nur mit einer anderen spricht. Nun sitzt Du allein zuhause, fühlst Dich hilflos und einsam.



Kommt Dir das bekannt vor?


Verletzte innere Kinder machen sich durch emotionale Krisensituationen bemerkbar, wie zum Beispiel starke Eifersucht in der Partnerschaft. Doch sie können auch der Auslöser sein für unkontrolliertes Essen, Armut, übermäßiger Konsum oder schnell eingeschnapptes und bockiges Verhalten.


In diesem Artikel erfährst Du, was genau Dein inneres Kind ist und welche fünf Hilfsmittel Dir dabei helfen können, Frieden mit ihm zu schließen.



Was ist das „innere Kind“?


Bei dem inneren Kind handelt es sich um ein psychologisches, therapeutisches Konzept, das maßgeblich von John Bradshaw (1933-2016) mitentwickelt wurde. Demnach ist unsere Kindheit, insbesondere die Jahre 0-6, eine sehr sensible Phase unserer Entwicklung, die nachhaltig unsere Psyche beeinflusst und so besonders stark auf unser weiteres Leben einwirkt.

Das innere Kind umfasst alle bewusst sowie unbewusst abgespeicherten Erfahrungen in Deiner Kindheit, die Du als Erwachsener nach wie vor mit Dir herumträgst. Ein Teil davon sind negative, manchmal traumatische Erlebnisse und Erfahrungen, bei denen es Dir zum Beispiel an Liebe, Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit, Nahrung, Sicherheit oder Schutz fehlte. Da Deine grundlegenden Bedürfnisse (scheinbar) nicht erfüllt wurden, löste dies schmerzhafte Gefühle in Dir aus, die Du aber als Kind noch nicht verarbeiten konntest. Aus Selbstschutz hast Du diese starken Gefühle lieber in den Keller geschoben, denn Du konntest noch nicht damit umgehen.


Du musst Dich heute nicht einmal bewusst an diese prägenden Erlebnisse erinnern können, selten reicht unsere Erinnerung so weit zurück. Trotzdem sind diese Kindheitserfahrungen in Deinem Unterbewusstsein abgespeichert – und solange Du diesen ungefühlten Schmerz dort lässt, wird er nicht aufhören, Dein Leben zu beeinflussen.


Auch jemand, der seine Kindheit vielleicht im Großen und Ganzen als glücklich beschreiben würde, trägt oft ein verletztes inneres Kind in sich. Die ersten Jahre sind eine sehr sensible Phase in unserer Entwicklung und so können schon Kleinigkeiten zu schmerzhaften Erfahrungen werden.



Das verdrängte innere Kind: Wie es Dein Leben beeinflusst


Wir alle tragen ein inneres Kind in uns. Das einzige, was uns unterscheidet, ist, wie viel Kontakt wir mit ihm haben und, ob wir uns gut darum kümmern. Insbesondere durch vergangene negative Erlebnisse wird aber oft versucht, das innere Kind auch im Erwachsenenalter zu verdrängen und es im Unterbewusstsein zu lassen. Doch dort wird es natürlich niemals verschwinden, sondern bestimmt Dein Leben mit destruktiven Denk- und Verhaltensmustern, ohne dass Du davon weißt.

Ein typischer Verdrängungsmechanismus ist das Suchtverhalten. Um den alten Schmerz nicht anschauen, nicht fühlen zu müssen, betäubt man sich lieber regelmäßig durch Alkohol oder übermäßiges Frustessen.


Ein Erwachsener, der wenig mit seinem inneren Kind verbunden ist, weist zudem oft folgende Verhaltensweisen auf:


  • leicht zu verunsichern

  • fühlt sich schnell einsam oder verängstigt

  • fühlt sich schnell ungeliebt oder ausgeschlossen

  • sucht stark nach Anerkennung anderer

  • möchte die Harmonie um jeden Preis aufrechterhalten

  • meint perfekt sein zu müssen

  • möchte alles und jeden kontrollieren


Das verletzte innere Kind macht in verschiedenen (manchmal nebensächlichen) Situationen durch starke Emotionen auf sich aufmerksam, die von anderen oft als übertrieben wahrgenommen werden können.


Wenn Dir die Verbindung zu Deinem inneren Kind fehlt und Du alte Wunden nicht heilst, strebst Du weiterhin unbewusst nach unerfüllten Bedürfnissen aus Deiner Kindheit, die so niemals gänzlich befriedigt werden können. Denn solange Du Dir selbst diese gewünschte Aufmerksamkeit und Zuneigung nicht gibst, indem Du mit Deinem inneren Kind Frieden schließt, wird es auch niemand anders für Dich tun können. Der vergangene Schmerz Deines inneren Kindes hat Dich und Dein Leben weiterhin fest im Griff, da er sich so immer wieder bestätigt.



Fünf Hilfsmittel, wie Du Dein inneres Kind heilst


Der einzige Ausweg: Nimm Dein inneres Kind an die Hand, verbinde Dich mit ihm, um alte Wunden zu heilen. Dies ist natürlich ein längerer Prozess, denn Deine Wunden liegen oft tief in Deinem Unterbewusstsein verborgen, da Du sie über viele Jahre zu verdrängen versucht hast.

Wenn Du Dein inneres Kind heilen möchtest, geht es nicht darum, alte Wunden unnötig wieder aufzureißen, sondern eher aktuellen Schwierigkeiten und Problemen in Deinem Leben auf den Grund zu gehen. Denn nicht selten sind sie bloßes Symptom für den fehlenden Kontakt zu Deinem inneren Kind, ausgelöst also durch einen vergangenen Schmerz, den Du immer noch in Dir trägst.


Grundsätzlich ist die Heilung Deines inneren Kindes ein Prozess des Bewusstwerdens, des Lernens und des Loslassens. Dafür gibt es verschiedene Methoden, die diesen Weg unterstützen – fünf davon werden im Folgenden kurz erklärt:


  1. Wecke positive Kindheitserinnerungen. Das innere Kind ist nicht bloß eine negative Blockade, die Du auflösen musst. In ihm stecken auch pure Lebensfreude, Kreativität und eine kraftvolle Energiequelle. Was hast Du als Kind gerne getan, womit konntest Du Dich stundenlang beschäftigen? Hast Du vielleicht gerne gemalt, warst im Wald unterwegs, bist auf Bäume geklettert? Versuche Dich daran zu erinnern und frage gegebenenfalls auch enge Freunde oder Familie, um Dein Gedächtnis aufzufrischen und in Erinnerungen zu schwelgen. Lasse dann diese Aktivitäten wiederaufleben, nimm Dir Zeit dafür und mache sie wieder zu einem Bestandteil Deines Alltags. Du machst Deinem inneren Kind – und letzten Endes auch Dir – damit eine ungeheure Freude, auch wenn es sich zunächst vielleicht „kindisch“ anfühlt oder seltsam ist. Lass Dich darauf ein und sieh zu, wie eine unbeschwerte Lebensfreude zurückkommt.

  2. Rede positiv mit Deinem inneren Kind. Vielleicht hast Du es schon sehr lange vernachlässigt und verdrängt. Suche den Kontakt, indem Du ihm gut zuredest. Zum Beispiel: „Ich bin für Dich da. Du bist richtig, wie Du bist. Du darfst Deine Gefühle und Deinen Schmerz mit mir teilen, das ist okay. Ich bleibe bei Dir, was auch geschieht.“ Gerade in gefühlsmäßig herausfordernden Situationen kann das Wunder wirken.

  3. Schreibe mit Deinem inneren Kind. Handschriftliches Schreiben bringt Klarheit und hilft, Gefühle zu verarbeiten. Schreibe zum Beispiel einen Brief an Dein inneres Kind oder lasse es einen Brief an Dich schreiben, in dem es sich erklären darf, warum es sich gerade so fühlt und was es braucht.

  4. Stelle offene Fragen. Um Dich mit Deinem inneren Kind zu verbinden, sei offen und neugierig ihm gegenüber. Was braucht es? Wie geht es ihm? Möchte es getröstet werden? Was mag es in Deinem Alltag? Was mag es nicht? Was möchte es jetzt gerade essen oder unternehmen? Solche Gespräche kannst Du schriftlich oder auch mental führen.

  5. Fühle Deine Gefühle. Gerade in emotionalen Situationen ist es wichtig, dass Du Dich für Deine Gefühle öffnest. Durch starke schmerzhafte Gefühle macht Dein inneres Kind auf sich aufmerksam. Sei mutig und schau in diesen Momenten hin – ohne die anderen gleich dafür verantwortlich zu machen, wie Du Dich fühlst. Du bist es, deren Aufmerksamkeit zuallererst von Deinem inneren Kind gewünscht ist. Vielleicht kommen sogar passende Erinnerungen hoch: Wann hast Du dieses Gefühl schon einmal als Kind erlebt? Was war damals passiert?



Um diese fünf Methoden besonders intensiv nutzen zu können, helfen zum einen geführte Meditationen, die diese im Entspannungszustand anwenden. Zum anderen ist auch die Hypnose ein sehr effektives Werkzeug, um Dein inneres Kind kennenzulernen und zu heilen. Durch sie haben wir Zugang zu Deinem Unterbewusstsein, was es Dir leichter macht, Dein möglicherweise lange verdrängtes inneres Kind zu treffen und zu verstehen.

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